Chat-Abkürzungen…reden ohne Worte
Written by TomMogk // 28. Juni 2011 // Allgemein // No comments
Sie hängen an fast jeder Nachricht: Die Smileys aus Klammern, Punkten und Semikolon. Ihre Mission ist, die kalte Kommunikation im Internet zu erwärmen. Vor allem Frauen ist das wichtig – sie lächeln im Chat genauso gern wie im realen Leben.
Mit den Smileys ist es so eine Sache. Wir verwenden sie häufig, gerne – und manchmal gleich mehrfach hintereinander. Als würden drei lachende Smileys sagen «Es ist dreifach witzig» und vier traurige Smileys mitteilen: «So traurig war ich seit Ewigkeiten nicht mehr.»
Smileys sind eine Herausforderung. Man muss sie lesen lernen – wie in der Grundschule. Gerade eben sind Sie noch entspannt durchs Internet getingelt, da ploppt rechts unten ein Chatfenster auf. «Sehen wir uns heute Abend :-*» fragt die Freundin. Vielleicht kommt noch ein
hinterher – und schon ist die Verwirrung perfekt: Sehen wir uns doch nicht? Oder ist das
nur ein Zuzwinkern, aber kein ironisches Lachen?
Smileys machen sympathisch
Dabei sollen Smileys unsere Internetkommunikation eigentlich einfacher machen. Sie sind wie eine eigene Sprache. Seit 1982 werden die kleinen Dinger benutzt, sagt Sabrina Eimler, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Sozialpsychologie an der Universität Duisburg/Essen. Mittlerweile gibt es im Internet viele Seiten, die den Sinn und die Zusammensetzung der Smileys erklären (www.greenschimlies.com). Damit Nutzer zur Not und bei Missverständnissen noch einmal schnell nachgucken können: Was bedeutet noch einmal :X ?
Denn Smileys gehören einfach dazu. «Vermutlich gibt es mittlerweile in der computervermittelten Kommunikation beinahe keinen Bereich mehr, in denen Smileys nicht auftauchen können», sagt Sabrina Eimler. Sie gelten als Ersatz fürs Lächeln, für Trauer – und Menschen, die Smileys verwenden, wirken sympathischer. Das haben Studien gezeigt.
Nutzer wollen keine Unsicherheiten
Aber was, wenn jemand keine Smileys verwendet – weil sie ihm einfach nicht gefallen? «Dann muss die gesendete Nachricht ausführlicher oder sehr eindeutig sein», sagt die Wissenschaftlerin. Denn eigentlich sei dem Nutzer im Internet daran gelegen, Unsicherheiten zu vermeiden: «Das kann durch Smileys passieren – oder durch Erklärungen und längere Sätze.» Deshalb gebrauchen auch mehr als 70 Prozent der Internetnutzer die kleinen Emoticons – eine Zusammensetzung aus Emotion (Gefühlen) und Icon (Zeichen). Wer keine Smileys benutzt, der schreibt mehr.
Smileys, haben Forscher herausgefunden, sind die menschliche Art der Anpassung ans Internet. Weil Worte manchmal nicht genug sein können. «So läuft die Kommunikation nicht kalt und emotionslos ab», sagt Sabrina Eimler. Wir können Freunden einen Kuss auf die Wange drücken ( :-* ) oder unser Missfallen ausdrücken ( :-/ ) – ohne Sätze, nur mit Satzzeichen.
Frauen lächeln häufiger – auch virtuell
Auf Dauer und bei langanhaltender Benutzung sind kaum noch Unterschiede zwischen einem richtigen Gespräch und einem Chat zu finden, sagt die Expertin. Selbst unsere geschlechtstypischen Eigenschaften tragen wir mit zu Facebook, MeinVZ, Skype oder Twitter: Frauen benutzen häufiger Smileys als Männer – weil sie auch in der direkten Kommunikation mehr lächeln.
Im Gegenzug finden Frauen es auch angenehmer, Smileys von ihrem Gegenüber gesendet zu bekommen – denn Gefühle werden so sichtbarer. Und ein lachender Smiley macht uns glücklich wie ein Lächeln von einem direkten Gegenüber. Nur ein Problem gibt es: Ein Smiley schreiben können wir auch, wenn uns eigentlich gar nicht nach Lachen zumute ist.
iwi/news.de




